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Industrieparks und Betreiber von Prozessanlagen setzen zunehmend auf Digitalisierung

Björn Lorenz09.11.2017

Auf dem Kundenworkshop der COSMO CONSULT TIC GmbH, der vom 13. bis 14. September im Magdeburger Parkhotel Herrenkrug stattfand, informierten sich Betreiber großer Industrieparks, Anlagenbauer und Kontraktoren über smarte Technologien. Diese können in technischen Projekten wie etwa Turnarounds, Investitions- und Instandhaltungsprojekte eingesetzt werden. Gemeinsam mit dem Forschungsinstitut Fraunhofer IFF und den auf Sensoren spezialisierten Technologiepartnern Bosch und telent informierte der ThinkTank der COSMO CONSULT-Gruppe über die verschiedenen Facetten der Initiative „Digitale Baustelle“. Diskutiert wurden vor allem die Potenziale der Digitalisierung, der Einsatz von IoT-Technologien sowie Datenschutz und Datensicherheit.

Große Industrieparks, wie etwa Raffinerien oder Chemiewerke, werden zu Revisions- und Wartungszwecken regelmäßig heruntergefahren. Doch jeder Tag des Stillstands wirft hohe Kosten auf, weshalb Betreiber von Prozessanalgen die Phasen möglichst kurzhalten. Für das Projektmanagement ist das eine Herausforderung, denn in dem kleinen Zeitfenster sind alle Revisions- und Wartungsarbeiten parallel durchzuführen. Damit das gelingt, müssen täglich hunderte Kontraktoren auf dem Werksgelände koordiniert werden. Da ließen sich ungeplante Wartezeiten bislang kaum vermeiden. Auf dem Kundenworkshop der COSMO CONSULT TIC GmbH diskutierten Kunden, Interessenten und Entwickler, auf welche Weise smarte Technologien dazu beitragen, unproduktive Zeiten zu minimieren und die Zeitverluste zu begrenzen. Vorträge von COSMO CONSULT, den Technologiepartnern Bosch und telent sowie dem Forschungsinstitut Fraunhofer IFF, Magdeburg verschafften den Teilnehmern einen Überblick über den aktuellen Stand der Technik. Im Fokus stand dabei die Initiative „Digitale Baustelle“. Ein Forschungs- und Entwicklungsprojekt, das mit modernen Technologien – hierzu zählen etwa Sensoren, mobile Endgeräte oder Cloudbasierte Portale – zentrale Prozesse optimiert und transparenter gestaltet.

Mit der Digitalisierung Leerzeiten vermeiden und unproduktive Zeiten minimieren

Udo Ramin, Geschäftsführer der COSMO CONSULT TIC GmbH, betonte, dass Digitalisierung nicht erst am Werktor beginnt: „Ein gutes Beispiel sind die Sicherheitseinweisungen, die alle Kontraktoren üblicherweise am Werktor durchlaufen. Mit der Digitalisierung lässt sich der Prozess vorverlagern. Wird der Check online erledigt, kann man Wartezeiten beim Check-in vermeiden.“ Einem der größten Raffineriebetreiber gelang es auf diese Weise, die zeitweilig langen Schlangen bei der Abfertigung deutlich zu verkürzen. Das Unternehmen nutzt das Cloudbasierte Kontraktoren-Portal inzwischen nicht nur für die mobile Sicherheitseinweisung, sondern auch für weitere mobile Apps. So werden beispielsweise Gasmessungen und Freigaben an kritischen Ausrüstungen digital dokumentiert und in Echtzeit dem Operator übermittelt. Die Erfahrungen sind dabei durchweg positiv. So gelang es, die Durchlaufzeiten zentraler Prozesse zu verkürzen und unproduktive Zeiten zu reduzieren. „Das funktioniert allerdings nur, wenn die Apps einfach zu bedienen, schlank und exakt auf die jeweilige Aufgabe zugeschnitten sind“, erklärt Ramin. Mobile Apps sollten helfen, Kerninformationen zu visualisieren, Daten zu erfassen und Prozesse in Echtzeit zu verfolgen. Die notwendige Rechenleistung kommt dabei aus der Cloud.

LoRa-Funkstandard ideal für digitale Baustellen

Der Nachmittag gehörte den Sensoren & Tags. Rund 40 dieser Geräte hat die COSMO CONSULT-Gruppe über die Partner telent und Bosch mittlerweile im Portfolio. Sie messen Temperatur, Schwingungen und Erschütterungen, übermitteln Zählerdaten oder den aktuellen Standort. Allerdings ist nicht jeder Sensor für den Einsatz in Industrieparks geeignet, unterstreicht Viktor Kostic von der telent GmbH: „Die Sensoren sollten sicher, kostengünstig und energieeffizient sein. Ferner ist eine hohe Reichweite, eine tiefe Gebäudedurchdringung und eine gewisse Resistenz gegenüber Störsignalen notwendig.“ Für die Datenübertragung wird das LoRa (Long Range Wide Area)-Network genutzt. Ein speziell auf die Anforderungen des „Internets der Dinge“ ausgelegtes Netzwerk. Die Technologie funkt bei extrem niedrigem Energieverbrauch über hohe Reichweiten – auch unter erschwerten Bedingungen wie etwa dicke Betonwände.

Wem gehören eigentlich Sensorendaten?

Erfasst und verfolgt werden die Meldungen der Objekt-Sensoren vom cc|object tracker. Der unter Microsoft Azure laufende Cloud-Dienst kann die Informationen an Planungssysteme wie etwa die ERP-Software von Betreiber oder Ausrüstungshersteller weiterleiten. „Dank smarter Technologien sind zum Beispiel Kontraktoren informiert, wo ihr Maschinenpark steht und wie stark dieser gerade ausgelastet ist“, unterstreicht Benjamin Ochner von der Robert Bosch GmbH. Der Knackpunkt für den Einsatz von IoT-Komponenten, das wird bei der abschließenden Diskussion schnell klar, ist und bleibt der Sicherheitsaspekt. Die Frage, wem die Sensorendaten gehören und wer die Informationen nutzen darf, ließ sich indes nicht endgültig klären. Einig waren sich die Teilnehmer, dass die Digitalisierung die Prozesse technischer Projekte, wie etwa dem Shutdown-Management, in den nächsten Jahren nachhaltig verändern wird. Speziell Cloud-Lösungen erfüllen dabei die hohen Anforderungen des Datenschutzes – sofern die Daten in hochsicheren deutschen Rechenzentren wie der Azure Germany Cloud gespeichert werden.

Am Abend auf analog gewechselt

Der erste Tag des Kundenworkshops ging mit einem Besuch im garantiert analogen Technikmuseum und einem gemeinsamen Abendessen an der Elbe zu Ende. Am zweiten Tag standen dann Themen wie Business Intelligence, Office 365 und ein Rückblick auf Praxisprojekte der Digitalen Baustelle im Fokus.

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