ERP

Verzweifeln Sie manchmal an Ihren Stücklisten?

Michael Hering14.08.2020

Wie sieht ihr Prozess von der Konstruktion in die Produktion aus? Arbeiten Sie mit zwei verschiedenen Stücklisten? Und sind diese aufeinander abgestimmt? ERP-Software sollte in der Lage sein, mehrere Stücklistentypen zu erstellen – und diese dabei voneinander abzuleiten.

Wie groß die Bedeutung harmonisierter Stücklisten für den Maschinen- und Anlagenbau ist, bestätigte kürzlich das Marktforschungsinstitut Gartner: 90 Prozent aller Anfragen aus der Branche beziehen sich nach Angaben der Analysten auf die Schnittstelle zwischen Entwicklung und Produktion.

Harmonisierung von Stücklisten am Beispiel

Wird eine Baugruppe konstruiert, gibt es hierzu eine Zeichnung und eine entsprechende Stückliste. Eigentlich eine klare Sache, denn die Daten sprechen eine eindeutige Sprache. Doch ganz so einfach läuft es in der Praxis nicht. Die Sichtweise von Konstruktion und Fertigung ist unterschiedlich. Am besten lässt sich das an einem Beispiel erklären:

Im Fahrzeugbau gibt es eine Baugruppe „Palettenkasten“. Sie besteht aus der Halterung und dem eigentlichen Kasten. Für die Konstruktion sind beide Teile eine logische Einheit, eine Baugruppe.

Eine Frage des Blickwinkels

Die Produktion betrachtet diese Baugruppe hingegen aus einem anderen Blickwinkel: Hier wird die Halterung bereits zu einem frühen Zeitpunkt an das Fahrgestell geschweißt, den final montierten Palettenkasten benötigt man jedoch erst im Rahmen der Endmontage.

Viele ERP-Systeme steigen da aus

Bei den meisten ERP-Lösungen bleiben die unterschiedlichen Betrachtungsweisen unberücksichtigt – mit fatalen Folgen:

  • fehlerhafte Arbeitsunterlagen
  • eine nicht aussagekräftige Materialbedarfsplanung
  • Lieferrückstände aufgrund fehlender Materialien.

Die Gründe dafür sind naheliegend: ERP-Systeme berechnen den Zeitpunkt des Materialbedarfs auf Basis der Terminierung entlang der Produkthierarchie. Wird besagter Palettenkasten in der Endmontage benötigt, werden alle Komponenten dieser Baugruppe zu diesem Zeitpunkt terminiert. Gleiches gilt entsprechend, wenn der Kasten zu Beginn eingeplant wird. Im Prinzip hat man also die Wahl zwischen Pest und Cholera, denn eine der beiden Komponenten wird in jedem Fall zu früh oder zu spät geliefert.

Manuelle Eingriffe sind keine Lösung

Erfahrene Produktionsplaner greifen in einem solchen Fall manuell ins Geschehen ein oder nutzen Puffer- und Vorlaufzeiten, um die Terminierung sicherzustellen. Derartige Maßnahmen beheben allerdings nicht das Grundproblem. Im Gegenteil, sie erhöhen die Komplexität, führen zu Intransparenz und sind latent fehleranfällig.

Moderne ERP-Systeme im Vorteil

In der Branchenlösung von COSMO CONSULT lassen sich aus einer Stückliste zwei verschiedene Strukturen ableiten, um die unterschiedliche Sichtweise von Konstruktion und Fertigung abzubilden. Diese Funktion hat sich in der Praxis bewährt. Mit den harmonisierten Stücklisten ließen sich in vielen Projekten Fehlteile und Lagerbestände deutlich reduzieren.

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Author:
Michael Hering
Industry Manager Discrete | COSMO CONSULT