ERP

Ein Standard ERP reicht nicht für die Entsorgungsindustrie

Johannes Neumüller06.08.2018
Standard ERP reicht nicht für Entsorgungsindustrie

Dass eine ERP-Auswahl und ein ERP-Einführungsprojekt herausfordernd sind, ist den Meisten bekannt. Der Weg zum Echtbetrieb ist aber relativ klar: Anforderungen erheben und überprüfen, welches Standard ERP diese Anforderungen abdeckt. Auswahl eines Einführungs-Partners, der das Geschäft versteht und los geht’s.

Standard ERP reicht nicht

Einige Branchen haben auf diesem Weg noch eine Zusatzaufgabe zu meistern, denn kein Standard ERP deckt deren Anforderungen ab. Zu diesen Industrien gehört die Entsorgungsindustrie. Einer der kritischen Punkte in dieser Branche ist, dass einmal bei einem Warenzugang Geld auszubezahlen ist und einmal für einen Warenzugang Geld erhalten wird. Denn jemand, der gefährliche Abfälle entsorgt, ist froh, wenn er sie los ist. Er wird dafür bezahlen. Kupfer ist hingegen ein Material wofür man Geld vom Entsorger bekommt.

Eine Standard ERP-Lösung ist dabei überfordert. Damit Material beim Standard ERP in das Unternehmen kommt, muss man dafür irgendwann im Prozess eine Rechnung bezahlen, keines Falls bekommt man aber Geld dafür. Dies ist aber nicht das einzige Defizit. Um eine umfassende Auflistung abzukürzen: In normalen ERP-Systemen fehlen mehrere zentrale Funktionen für diese Industrie. Somit ist Standardsoftware ungeeignet. Bleibt die Frage: Wie kann man solche Lücken zukunftssicher schließen?

Der Alleskönner: Standard ERP + Branchenpaket

Es gibt mehrerer Antworten. Will man nicht auf die Vorteile von Standard ERP-Lösungen verzichten, bleibt eine Einzige: Ein Branchenpaket. So wird aus dem ERP eine Entsorgungslösung und das Unternehmen kauft bewährte Funktionalität. Dazu bleiben sämtliche Vorteile einer Standardlösung erhalten. Logischerweise wird dadurch auch der Dienstleistungssaufwand für programmiertechnische Erweiterungen auf ein Minimum begrenzt. Zusätzlich räumt dieser Weg eine große Unbekannte aus dem Feld, denn die Software existiert schon. Der Entsorger weiß sofort, ob die Branchenfunktionalität und Unternehmensanforderungen zueinander passen.

Achtung Etikettenschwindel bei „Branchenlösungen“

Branchenerweiterung ist dennoch nicht gleich Branchenerweiterung. Diese Sache ist, auf den Software-Lebenszyklus betrachtet, von strategischer Relevanz. Es gibt vermeintliche Branchenlösungen, die ein Standard ERP eher als Entwicklungsplattform missbrauchen. Dort werden einfach komplette Prozesse für die Entsorgungsindustrie parallel nachgebaut und Basisfunktionalitäten des Standards nicht mehr benutzt.

Daraus folgt das Risiko, dass sich die vermeintlich investitionssichere Standardlösung als proprietäre Bastellösung entpuppt. Von den Funktionen der weltweit erprobten Standard Software profitiert so niemand mehr. Mit diesem Etikettenschwindel entsteht logischer Weise eine starke Abhängigkeit vom sogenannten „Branchenlösungsanbieter“. Nach wenigen Jahren ist, statt einem Upgrade, wahrscheinlich eine Neueinführung ressourcenschonender, denn kein Standard Upgrade-Pfad wird mehr greifen.

Wie sehr unterstützt die Entsorgungslösung den Menschen?

Hilft die Software Mitarbeitern in ihrer täglichen Arbeit, erhält das Unternehmen als Gegenleistung saubere Daten. Das heißt, der Mensch muss letzten Endes immer im Mittelpunkt jeder Software-Entwicklung stehen. Nur Anbieter, die dies erkennen, werden langfristig am Markt bestehen können. Ob das so ist, sieht man sofort an den Software-Oberflächen. Ein guter Partner vergisst diesen Gesichtspunkt natürlich auch in der Einführung nicht.

Lassen Sie einen Profi ins Haus

Gelingt es dem Entsorgungsunternehmen, sich den richtigen Branchenexperten an Bord zu holen, ist der Grundstein für den zukünftigen Wettbewerbsvorteil gelegt. Mit der erprobten Lösung kommt idealer Weise ein Sparring Partner auf Augenhöhe für Entsorgungsprozesse mit. In der Projektarbeit ist man jetzt viel fokussierter unterwegs. Speziell der Aufwand für den Abgleich der Anforderungen fällt deutlich geringer aus.

Warum ist das bei Standard ERP Projekten anders? Die Ursache dafür ist, dass sich ein Partner beispielsweise auf die produzierende Industrie spezialisiert hat. Das ist zwar eine gewisse Ausrichtung, aber kein richtiger Fokus. Dieser Partner kann meistens nicht gleichermaßen hohes Wissen in der Abbildung von Lebensmittel-Produktionsprozessen und gleichzeitig auch im Aufzeigen von Prozessen bei der Produktion von Fahrrädern mitbringen. Branchenexperten der Abfallindustrie bringen Know-how zu jedem einzelnen Geschäftsprozess von Entsorgern ins Haus. Die bisher gemachte Projekterfahrung dient als Benchmark für neue Projekte. Damit wird vom ersten Tag an über Verbesserungspotentiale diskutiert und nicht darüber wie ein Entsorgungsunternehmen grundsätzlich funktioniert.

Fazit

Eine ERP-Einführung ist nie ganz einfach. Genau deshalb gehört sie zu den spannendsten Unternehmensprojekten. Die Entsorgungsindustrie hat es schwerer als andere, denn in den System-Standards fehlen zentrale Bausteine. Die richtige Entsorgungslösung schließt diese Lücken und stellt die Menschen in den Mittelpunkt. Im Idealfall kommen gleichzeitig die richtigen Berater an Bord. Das Ergebnis sind deutlich minimierte Projektrisiken.

ERP-Branchenlösung für die Entsorgungsindustrie

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Über den Autor: Johannes Neumüller

Johannes Neumüller ist Senior Sales Manager am COSMO CONSULT-Standort Steyr (vormals FWI Gruppe). Seine berufliche Laufbahn begann er bei Industrie Informatik in Linz, wo er nach Stationen als Consultant und Projektleiter für internationale IT-Projekte in den Vertrieb wechselte. Im Anschluss war er als Manager Strategy für Siemens VAI tätig. Er absolvierte an der Fachhochschule Hagenberg ein Studium mit Spezialisierung auf Hardware und Softwareengineering sowie ein MBA-Studium für internationales Sales Management an der Fachhochschule Steyr.

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